Griechenland fehlt die Enterprise 2.0 Kultur
Wenn man in den letzten Tagen die Demonstrationen in Griechenland beobachtet hat, kommt man (zu) schnell zu dem Schluss „Die spinnen die Griechen“ Ist das aber wirklich so? Ich denke nicht. Die Einschnitte in das tägliche Leben sind nun mal erheblich. Für viele ist die Existenz gefährdet und die Aussichten in die Zukunft sind nicht gerade rosig. Nun kann man natürlich sagen, dass die Streiks das Letzte sind, was sie zurzeit gebrauchen können. Rational gesehen müsste man als Grieche jetzt anders agieren. Also in die Hände spucken und wieder aus dem Chaos herausarbeiten.
Menschen sind aber meistens nicht Rational. Dabei spielen die gleichen Mechanismen eine Rolle, mit denen wir uns bei der Einführung von Enterprise 2.0 eine Rolle beschäftigen. Was heißt dann nun für ein Land, welches Aufgaben hat, die kaum zu schaffen sind. Ich denke man muss die gleiche Vorgehensweise wählen, wie bei einem Change Projekt in einem Unternehmen.
Offenheit ist das erste, was dabei eine Rolle spielt. Man muss ganz ehrlich erklären, wie es zu diesem Zustand gekommen ist und wie es tatsächlich aussieht. Das sollte man ohne Polemik und Parteienwettbewerb durchführen. Dabei müssen Politiker die eigenen Interessen in den Hintergrund stellen. Ich bin überzeugt, dass dies nicht zum Nachteil der Politiker ist. Zumindest, wenn sie vorher nicht zu viele Verbrochen haben.
Als nächster Schritt wäre die Beteiligung der Einwohner wichtig. Dabei geht es nicht nur um die großen Fragen, wobei die natürlich auch wichtig sind. Es gibt bestimmt unzählige Dinge, die man im Kleinen tun kann und die in der Summe großes bewirken. Auch die Hilfe untereinander kann man durch den Austausch organisieren. Gerade die Summe vieler kleiner Aktionen machen auch den Erfolg von Enterprise 2.0 aus. Diese lassen sich allerdings auch schwer messen, was eine ROI Berechnung nahezu möglich macht.
Natürlich spielt Gerechtigkeit immer eine große Rolle. Man wird nichts erreichen, wenn die einfachen Menschen das Gefühl haben, das andere nach wie vor davon profitieren und immer die gleichen dafür zahlen. Das trifft natürlich besonders zu, wenn das eigene Leben nur noch schwer zu organisieren ist. Es müssen sich also alle beteiligen.
Bei einem Unternehmen bedeutet dies, dass das Management mit gutem Beispiel voraus geht. Man kann z.B. nicht die Vorteile von Enterprise 2.0 predigen und selber nicht darauf bauen, was man deutlich zeigt, wenn man sich da raus hält.
Noch einen Punkt, den man von der Diskussion über die richtige Social Media Strategie spricht. Gunter Dueck hat letzte Woche auf dem IBM JamCamp bemerkt, dass man als Quelle und nicht als Senke agieren soll, also erst mal geben und nicht immer direkt an die eigenen Vorteile denken. Ich bin überzeugt, dass dies die richtige Herangehensweise ist.
Man an kann nur auf die richtige Weise Social Media oder Enterprise 2.0 machen, wenn man nicht an den eigenen Nutzen, sondern an den Nutzen der Zielgruppe denkt. Das heißt in der Regel, dass man zuerst geben muss.
Ich bin auch überzeugt, dass man davon profitiert, wenn man den Griechen jetzt hilft ohne an die eigenen Vorteile zu denken. Es zahlt sich sicherlich aus. Ich finde aber auch, dass es nicht schlimm ist, wenn es nicht ganz so ist. Man muss auch anderen helfen, wenn sie in Not sind. Dabei dürfen die eignen Interessen erst mal keine allzu große Rolle spielen. Die armen Einwohner, die jetzt darunter leiden, können sicherlich meistens nichts dafür, dass es so weit gekommen ist.
Ich wünsche jedenfalls den Griechen viel Erfolg und der Regierung die Einsicht auf die Motivation Ihrer Bürger zu bauen. Dann kann man viel erreichen.



