Tageszeitungen – Bald am Ende?

Schon wieder wurde eine Zeitung aufgegeben, auch wenn es sie irgendwie weiter geben wird, wohl aber nur noch als Hülle. Die Westfälische Rundschau löst Ihre Redaktion auf und kauft wohl zukünftig Inhalte von Konkurrenten. Es sind immer weniger Menschen daran interessiert morgens eine Tageszeitung im Briefkasten zu finden. Das Internet ist häufig schneller und meist umsonst. Eine Konkurrenz, gegen die man nur schwer ankommt. Zumindest, wenn man nichts Besseres zu bieten hat.

Verfolg man ein wenig die Diskussionen rund um das Thema, hört man meist nur von Aktivitäten, die das Internet einschränken sollen.  Ein weiteres probates Mittel ist es Personal abzubauen, wie man zurzeit bei der Westfälischen Rundschau sieht. Wirklich Innovative Ansätze neue Leserschichten zu erschließen sieht man jedoch nicht. Menschen tendieren wohl doch eher dazu die Realität zu verdrängen und sich am altbekannten festzuhalten.

Kürzlich hat mir ein Journalist gesagt, dass das Problem bei Zeitschriften ist, dass das Führungspersonal aus Journalisten besteht, also keine betriebswirtschaftliche Ausbildung hat. Man wird halt, wenn man gut ist, so lange befördert, bis man einen entsprechenden Posten erreicht hat. Das funktioniert sicherlich häufig, aber ein Wandel von der Führung heraus erfolgt so meist nicht.

Ich mag Tageszeitungen und habe selber noch eine abonniert. Für ein Land ist es meiner Meinung nach auch extrem wichtig guten und unabhängigen Qualitätsjournalismus zu haben. Ich sehe nur in der jetzigen Form keine guten Aussichten für deren Zukunft. Diese negative Entwicklung geht wohl auch schon schneller von statten, als man zunächst vermuten konnte.

Google aussperren

Die spanische Zeitung El Pais hat entschieden Google News auszusperren. Ich habe das zunächst für Unsinnig gehalten, denke aber mittlerweile doch ein wenig anders.

Die Zuführung von Lesern funktioniert wohl nicht so wie ich dachte. Mittels einer Untersuchung, die El Pais durchgeführt hat, lesen die meisten Nutzer von Google News wohl nur Titel und Zusammenfassung und klicken nicht auf den Link um den Artikel in der Zeitung zu Ende zu lesen. Somit ergibt sich für die Zeitung keine Traffic dadurch, den man dann z.B.  an Werbekunden verkaufen kann.

Laut Aussage vom Chefredakteur steigen seitdem die Zahlen der Online-Abos.  Selbst wenn das dauerhaft funktioniert, wird das alleine aber sicherlich kaum reichen die schwindenden Abonnenten der Printausgabe zu ersetzen.

Gezielt informieren

Aus der Untersuchung von El Pais kann man auch heraus lesen, dass die Nutzer nur an einer schnellen Informationsaufnahme interessiert sind. Sei es auch Zeitmangel, Informationsüberflutung oder einem Mangel an Interesse.

Ich könnte mir vorstellen, dass ein Informationsdienst, der gezielt kleine Informationshäppchen liefert und nach Bedarf vertiefendes Material zu Verfügung stellt, von den Nutzern gut angenommen wird. Mit so einem Abo könnte der Nutzer einfach festlegen, was ihn so interessiert und dies „mundgerecht“ geliefert bekommt. Bei Bedarf ist es dann immer möglich tiefer in die Materie einzusteigen. Das ganze müsste natürlich für mobile Geräte zur Verfügung gestellt werden.

So wäre es eine Möglichkeit aktuelle Themen in Specials für Abonnenten anzubieten. Diese müssen dann aber wirklich gut sein und so viele Informationen wie nötig enthalten um sich ein komplettes Bild machen zu können. Diese Informationen müssten natürlich ein neutrales Bild liefern und dürfen auf keinen Fall politisch gefärbt sein oder anderen Interessengruppen entgegenkommen.

Dabei muss nicht alles aus der eigenen Redaktion kommen. Ich  könnte mir z.B. vorstellen Fachleute, Blogger, Prominente usw. im Boot zu haben, die z.B. aktuelle Themen kommentieren oder sachgerechte Artikel liefern. Die Redaktion muss aber auf jeden Fall die Fäden in der Hand haben.

Mehr als nur Text

Ich habe bisher kaum Informationsangebote im Internet gesehen, die wirklich das Medium nutzen. Text ist schließlich nicht das einzige Format, mit dem man Informationen vermitteln kann. So kann man vieles z.B. mittels Grafiken viel einfacher erklären. Ein kurzes Video sagt häufig mehr als tausend Worte. Redaktionen sollten sich langsam davon verabschieden bei der Erstellung von Inhalten immer noch wie für Printmedien zu arbeiten.

Mitten aus dem Leben

Authentische Berichte aus erster Hand sind bei vielen Nutzern willkommen.  So könnte z.B.  ein lokales Redaktionsteam mit einer Kamera unterwegs sein und so aktuelles aus der  Nachbarschaft liefern. Die Qualität würde dabei sicherlich durch die permanente Nutzung langsam besser, ist aber meiner Meinung nach nicht so entscheidend. Vielleicht wäre ja z.B. eine Helm oder Brillenkamera, die einfach live mitläuft, für viele Nutzer viel interessanter als das perfekt erstellte Video eines Profis.

Betätigungsfeld Bildung

Kaum jemand wird zukünftig ohne Weiterbildung durch ein ganzes Berufsleben kommen. Weiterhin gibt es auch im Privatleben immer mehr Themen, die durch entsprechende Bildungsangebote unterstützt werden können.

Tageszeitungen verfügen über reichlich Wissen und Journalisten sind nicht selten sehr bewandert in Ihren Themengebieten. Da bietet es sich nahezu an, in das Thema Bildung einzusteigen. Das ist nur ein Beispiel mit dem man über den eigenen Tellerrand hinausschauen kann. Eine Diversifizierung des Angebotes hat generell den Vorteil, dass schwächen eines Teiles nicht gleich das ganze Unternehmen in Gefahr bringen.

Was anderes muss her

Das sind nur einige Ideen, die sicherlich noch keine wirkliche innovative Lösung für die Zukunft sind, aber aufzeigen, dass man etwas anderes machen muss, wenn man am Ende als Tagesszeitung überleben möchte.

Man sollte dabei immer im Auge haben, dass Tageszeitungen nicht so lange erscheinen, bis der letzte Leser geht, sondern bis sich das ganze wirtschaftlich nicht mehr lohnt. Das ist sicherlich schon bei vielen Tageszeitungen nicht mehr so weit entfernt. Es ist also höchste Zeit was zu tun.

Gegen das Böse Internet zu kämpfen, befriedigt vielleicht die Verleger für einige bestimmte Zeit, wird das Problem aber auf keinen Fall lösen. Außerdem wird dadurch die Freiheit des Internet beschädigt und das möchte sicherlich keiner. Weiterhin hat der Rückgang der Abonnenten schon vor der erfolgreichen Entwicklung des Internets begonnen.   Das Internet ist also nicht alles schuld.

Es sind vielmehr kreative Ideen  gefragt, die dann auch Nachhaltig den Erfolg der Verlage sichern. Dazu heißt es einfach immer wieder Dinge auszuprobieren und auch riskieren, dass mal etwas nicht funktioniert. So finden man seinen Weg, der in die Zukunft führt.

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Joachim Lindner

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