Webanalyse Teil 3 – Seitenaufrufe und Besucher

Nachdem ich in den beiden vorangegangenen Artikeln mehr auf generelle Themen eingegangen bin, möchte mich nun mit einigen Basismessungen beschäftigen. Dazu gehören Seitenaufrufe und Besuche der einzelnen Webseiten sowie einzelner Bereiche oder auch der ganzen Website. Diese Werte helfen Inhalte zu beurteilen, aber auch ein bisschen Werbung für den eigenen Webauftritt zu machen. Das kann ja auch nicht schaden.

Seitenaufrufe (Page views, page impressions)

Die Häufigkeit der Seitenaufrufe ist die einfachste Möglichkeit um etwas über den eigenen Webauftritt zu lernen. Wie immer sollte man aber erst mal genau hinschauen. Meist wird hier richtig gemessen, aber ich habe es auch schon anders gesehen.

Es zählt als ein Seitenaufruf, wenn die Seite komplett aufgebaut ist. Deshalb wird der Code für die Analyse am Ende in die HTML-Seite eingebaut. Den so kann man sicher sein, dass die Nutzer alles gesehen haben. Einzelne Elemente, wie z.B. Bilder oder Dokumente sollten nicht als Seitenaufruf gemessen werden. Das würde den Wert völlig verfälschen, ist aber schon vorgekommen. Einzelne Elemente der Seite sind eher für A/B-Tests oder für die Messung der Serverlast interessant, was hier aber keine Rolle spielen soll.

Bei der Arbeit mit einem neuen Analysesystem heißt es für mich deshalb erst einmal alle Messung zu überprüfen. Ich vergleiche zunächst die verschiedensten Werte. Mit einem wachen Auge fällt einem schnell auf, wenn da etwas nicht stimmt. Erst wenn man vertrauen in die Messwerte hat, sollte man anfangen damit zu arbeiten.

Die Anzahl der Seitenaufrufe zeigt einem zunächst einmal wie sich der eigene Webauftritt über die Zeit entwickelt. In der Regel gehen diese Zahlen allerdings immer nach oben, einfach, weil die Webnutzung im Ganzen immer noch zunimmt. Interessanter wird es dann, wenn man sich einzelne Bereiche ansieht. Man identifiziert schnell Bereiche, die für die Nutzer von großem Interesse sind oder aber auch gar keine Leser finden.

Im einen Fall sollte man dem Inhalt vielleicht ein wenig mehr Aufmerksamkeit widmen und im anderen Fall benötigt man die Seiten vielleicht gar nicht mehr. Das kann aber auch ein Trugschluss sein. Vielleicht wird die Seite, die sich keiner ansieht, auch einfach nicht gefunden oder ist einfach nicht gut genug gemacht.

Also immer die Seite und den Weg dorthin erst einmal kritisch betrachten, bevor man diese voreilig entfernt. Ein wesentliches Kriterium dabei ist natürlich die Wichtigkeit des Inhalts für das Unternehmen. Es ist natürlich auch klar, dass der Traffic mit jeder Ebene, die man nach unten navigiert, nachlässt. Man sollte es sich also gut überlegen ob man die 5. oder 6. Ebene wirklich benötigt.

Grundsätzlich ist es natürlich schön, wenn in der Statistik möglichst viele Seitenaufrufe angezeigt werden. Maschinelle Aufrufe durch Suchmaschinen etc. sollte man jedoch ausklammern. Es wäre für die Auswertung einfach falsch diese zu zählen.

Das Messen von Seitenaufrufen ist relativ einfach, wenn immer eine ganze Seite aufgerufen wird. Das passiert natürlich nicht, wenn beispielsweise per Ajax-Programmierung nur einzelne Elemente einer Seite ausgetauscht werden. In diesem oder ähnlichen Fällen sollte man sich sehr gut überlegen, was man messen möchte und wie man das bewerkstelligen kann.

Besuche/Besucher (visits/visitors)

Startet ein Nutzer seine Reise durch das Online-Angebot wird dies als Besuch gewertet. Und egal, welche und wie viele Seiten angewählt werden, es bleibt ein Besuch. Das ändert sich erst, wenn einige Zeit keine Seiten mehr aufgerufen werden. Bei den meisten Analysetools wird ein Besuch abgeschlossen, wenn 30 Minuten nichts passiert ist. Ein Parameter, den man dann gut ermitteln kann sind auch Seitenaufrufe/Besuch.

Man sollte natürlich immer daran denken, dass man Besuche (und Besucher) nicht einfach zusammenzählen kann, wie ich im Artikel über Segmentierung bei der Webanalyse schon beschrieben habe: http://www.komblog.de/2015/11/webanalyse-2-segmentierung/

Eindeutige Besucher und Datenschutz

Kommen Nutzer öfter auf eine Seite, sollen diese wiedererkannt werden. Das passiert mittels Cookies und anderer Parameter. Das wird natürlich schwierig, wenn die Nutzer Cookies nicht zulassen und wechselnde IP-Adressen verwendet werden.

Weiterhin gibt es natürlich viele Nutzer, die mit diversen Geräten, wie z.B. Smartphone, Tablet und PC, auf die Webseiten zugreifen. Man würde natürlich auch dann gerne die User Journey verfolgen, was aber nicht so einfach ist. Einige Analysesysteme sind wohl dazu in der Lage, aber auch da gibt es Grenzen.

Problematischer wird es auch eindeutige Besucher zu ermitteln, wenn man den Datenschutz ernst nimmt. In diesem Fall muss man die Nutzer informieren, wenn man das Surfverhalten speichern möchte und Sie müssen die Möglichkeit zum Widerspruch haben.

Das ist natürlich kaum umzusetzen. Besonders, wenn man die Besucher nicht vertreiben möchte. Eine andere Möglichkeit ist die Anonymisierung der Daten. Das ist für den Datenschutz OK, aber so kann man die Messung eindeutiger Besucher vergessen.

Fazit

Selbst bei vergleichsweise einfachen Messungen gibt es einiges zu beachten. Wichtig ist dabei eine gesunde Skepsis in Bezug auf die Messwerte. Weiterhin gilt auch hier, dass man erst einmal die Ziele festlegt und dann erst darüber nachdenkt, welche Parameter man für deren Überprüfung heranziehen möchte.

Webanalyse 1 – 10 gute Gründe für eine professionelle Webanalyse

Webanalyse 2 – Segmentierung

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Joachim Lindner

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